Thema

Notfall & Sicherheit

Gute Vorbereitung hilft, in einer akuten Situation schnell die passende Hilfe zu erreichen und wichtige Informationen bereitzuhalten. Gleichzeitig lassen sich viele Risiken zuhause erkennen und gezielt verringern, ohne die Selbstständigkeit unnötig einzuschränken.

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Warum Vorbereitung im Ernstfall entlastet

Akute Erkrankungen und Unfälle lassen sich nicht vollständig verhindern. Man kann jedoch vorbereiten, wie im Ernstfall gehandelt wird und wo die benötigten Informationen zu finden sind. Gerade in der häuslichen Pflege kommen häufig mehrere Erkrankungen, Medikamente, Ansprechpersonen und besondere Unterstützungsbedarfe zusammen.

Vorbereitung bedeutet nicht, ständig mit einer Krise zu rechnen. Sie beantwortet im Voraus einige praktische Fragen: Welche Nummer ist in welcher Situation richtig? Wer soll informiert werden? Welche Medikamente und Diagnosen sind aktuell? Gibt es Allergien, Vollmachten oder besondere Hinweise? Und wer kann übernehmen, wenn die Hauptpflegeperson kurzfristig ausfällt?

Fehlen diese Angaben, müssen Angehörige unter Zeitdruck suchen, erinnern und entscheiden. Dabei können wichtige Informationen übersehen oder nur unvollständig weitergegeben werden. Eine kurze, aktuelle Übersicht hilft dagegen, die Situation klar zu schildern und Rettungsdienst, Bereitschaftsdienst, Arztpraxis oder Pflegedienst schneller zu orientieren.

Zur Sicherheit gehört außerdem die Vorbeugung im Alltag. Stolperfallen, schlechte Beleuchtung oder ein ungeeignetes Hilfsmittel können ein vorhandenes Risiko erhöhen. Ziel ist nicht, jedes Risiko auszuschließen. Die Umgebung soll so gestaltet sein, dass sie zu den tatsächlichen Fähigkeiten der pflegebedürftigen Person passt und möglichst viel sichere Selbstständigkeit erhält.

Vorbereitung schafft keine ständige Alarmbereitschaft. Sie sorgt dafür, dass im entscheidenden Moment weniger gesucht und improvisiert werden muss.

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Welche Hilfe ist in welcher Situation richtig?

In einer belastenden Situation ist nicht immer sofort klar, welche Anlaufstelle geeignet ist. Eine einfache Unterscheidung hilft bei der Orientierung:

Rettungsdienst 112

Die 112 ist für lebensbedrohliche Situationen und schwere Unfälle zuständig. Dazu können zum Beispiel starke Atemnot, Bewusstlosigkeit, deutliche Schlaganfallzeichen, schwere Brustschmerzen oder eine andere unmittelbar bedrohliche Verschlechterung gehören. Im Zweifel darf die Situation am Telefon geschildert werden; die Leitstelle fragt die notwendigen Informationen ab.

Ärztlicher Bereitschaftsdienst 116117

Die 116117 hilft außerhalb der regulären Sprechzeiten bei dringenden Beschwerden, mit denen man normalerweise eine Arztpraxis aufsuchen würde, die aber nicht bis zur nächsten Sprechstunde warten können. Sie ist nicht für lebensbedrohliche Notfälle vorgesehen.

Hausarzt- oder Facharztpraxis

Bei nicht akuten Veränderungen, wiederkehrenden Beschwerden, auffälligen Verläufen oder Fragen zur Behandlung ist die behandelnde Praxis meist die passende Anlaufstelle. Eine kurze Dokumentation hilft, Beginn, Häufigkeit und Begleitumstände verständlich zu schildern.

Pflegedienst, Hausnotruf oder vereinbarte Kontaktperson

Diese Stellen können bei festgelegten pflegerischen Aufgaben, bekannten Alltagssituationen oder dem vereinbarten Notrufablauf unterstützen. Welche Hilfe sie übernehmen können, sollte vorab geklärt und in der Kontaktübersicht festgehalten sein.

Ein vorbereiteter Anruf wird leichter, wenn Name und Adresse, aktuelle Beschwerden, Beginn der Veränderung, bekannte Erkrankungen, Medikamente und eine Rückrufnummer griffbereit sind. Bei einem Notruf sollte den Fragen der Leitstelle gefolgt und das Gespräch nicht vorzeitig beendet werden.

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Notfallmappe und Notfallkontakte

Eine Notfallmappe hilft dabei, im Ernstfall schnell die wichtigsten Informationen bereitzustellen. Sie sollte gut auffindbar, aktuell und verständlich aufgebaut sein. Wichtig ist nicht, möglichst viele Unterlagen zu sammeln, sondern die entscheidenden Informationen so zu ordnen, dass Angehörige, Rettungsdienst, Krankenhaus oder Pflegedienst sie schnell erfassen können.

In eine Notfallmappe gehören vor allem:

Diagnosen

Eine aktuelle Übersicht der bekannten Erkrankungen, zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Nierenerkrankungen, Demenz, neurologische Erkrankungen oder andere relevante Diagnosen. Wenn möglich, sollten auch wichtige Vorbefunde oder Arztbriefe beigefügt werden.

Medikamente

Der aktuelle Medikamentenplan ist besonders wichtig. Er sollte zeigen, welche Medikamente eingenommen werden, in welcher Dosierung, zu welchen Zeiten und seit wann. Auch Bedarfsmedikation, Insulin, Tropfen, Pflaster, Salben oder Inhalationen sollten aufgeführt sein.

Allergien und Unverträglichkeiten

Bekannte Allergien, Arzneimittelunverträglichkeiten oder besondere Reaktionen sollten deutlich sichtbar dokumentiert werden. Das gilt besonders für Antibiotika, Schmerzmittel, Kontrastmittel, Pflastermaterial oder Nahrungsmittelallergien.

Behandelnde Ärztinnen und Ärzte

Hilfreich ist eine Übersicht der wichtigsten Ansprechpartner: Hausarztpraxis, Fachärzte, Klinikambulanzen, Therapeutinnen und Therapeuten. Neben Namen sollten Telefonnummern, Adressen und gegebenenfalls Sprechzeiten oder besondere Zuständigkeiten notiert werden.

Pflegedienst und weitere Dienste

Falls ein Pflegedienst, Hausnotruf, ambulanter Hospizdienst, therapeutischer Dienst oder eine andere Einrichtung eingebunden ist, sollten auch diese Kontakte in der Notfallmappe stehen. Wichtig ist außerdem, welche Leistungen regelmäßig erbracht werden und wann der Dienst üblicherweise kommt.

Angehörige und Bezugspersonen

Die wichtigsten Angehörigen oder Vertrauenspersonen sollten mit Telefonnummern und ihrer Rolle aufgeführt werden. Dabei sollte klar erkennbar sein, wer zuerst informiert werden soll und wer Entscheidungen unterstützen oder treffen kann.

Vollmachten

Falls eine Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung oder andere rechtliche Vollmacht vorliegt, sollte sie in Kopie vorhanden oder zumindest der Aufbewahrungsort vermerkt sein. Gerade im Krankenhaus kann es wichtig sein, schnell nachweisen zu können, wer auskunfts- oder entscheidungsberechtigt ist.

Patientenverfügung

Eine Patientenverfügung sollte gut auffindbar sein, wenn sie vorhanden ist. Zusätzlich kann vermerkt werden, wo das Original liegt und wer darüber informiert ist. Wichtig ist, dass Angehörige wissen, dass es dieses Dokument gibt und welche Bedeutung es im Ernstfall hat.

Krankenhausunterlagen

Aktuelle Entlassbriefe, Operationsberichte, Befunde, Laborwerte, Implantatausweise oder andere wichtige medizinische Unterlagen sollten geordnet abgelegt werden. Besonders relevant sind Unterlagen aus den letzten Krankenhausaufenthalten oder zu aktuellen Erkrankungen.

Aufbewahrung und Zugang klären

Eine vollständige Mappe hilft nur, wenn sie im Bedarfsfall gefunden wird. Deshalb sollte ein fester Aufbewahrungsort vereinbart sein. Die pflegebedürftige Person, beteiligte Angehörige und eine mögliche Vertretung sollten wissen, wo die Informationen liegen und wie sie darauf zugreifen können. Sensible Unterlagen sollten dabei nur berechtigten Personen zugänglich sein.

Notfallkontakte klar festlegen

Neben der Notfallmappe sollte es eine kurze, gut sichtbare Liste mit Notfallkontakten geben. Diese Liste sollte nicht in einem dicken Ordner verschwinden, sondern schnell erreichbar sein, zum Beispiel in der Wohnung, in der Pflegedokumentation oder digital für beteiligte Angehörige.

Sinnvolle Notfallkontakte sind:

  • Rettungsdienst: 112
  • Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116117
  • Hausarztpraxis
  • nächstgelegene relevante Klinik oder behandelnde Fachambulanz
  • Pflegedienst
  • Hausnotruf, falls vorhanden
  • Hauptpflegeperson
  • weitere Angehörige oder Vertrauenspersonen
  • Apotheke

Die Notfallinformationen sollten in einem festen Rhythmus und zusätzlich nach wichtigen Veränderungen geprüft werden. Dazu gehören insbesondere Medikamentenänderungen, neue Diagnosen, Krankenhausaufenthalte, ein Wechsel von Ansprechpersonen oder ein veränderter Unterstützungsbedarf. Eine Person sollte dafür verantwortlich sein, veraltete Angaben zu ersetzen und das Prüfdatum sichtbar festzuhalten.

Eine Notfallmappe ist verlässlich, wenn sie aktuell, schnell auffindbar und für die vorgesehenen Personen zugänglich ist.

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Risiken zuhause erkennen und verringern

Nicht jeder Unfall zuhause lässt sich verhindern. Bestimmte Faktoren können das Risiko jedoch erhöhen: unsichere Wege, schlechte Beleuchtung, nachlassende Kraft, Sehprobleme, Schwindel oder ein Hilfsmittel, das nicht mehr zur Situation passt. Deshalb sollte nicht nur die Wohnung, sondern auch die tatsächliche Fähigkeit der pflegebedürftigen Person regelmäßig betrachtet werden.

Stolperfallen

Lose Teppiche, Kabel, Türschwellen, herumstehende Gegenstände oder schlecht erreichbare Möbel können schnell zur Gefahr werden. Besonders Wege, die häufig genutzt werden, sollten möglichst frei und sicher sein: vom Bett zur Toilette, vom Wohnzimmer zur Küche, vom Eingang zum Schlafzimmer. Auch kleine Hindernisse können problematisch sein, wenn jemand unsicher geht, einen Rollator nutzt oder nachts aufstehen muss.

Beleuchtung

Gute Beleuchtung hilft, Stürze zu vermeiden. Wichtig sind vor allem Flure, Treppen, Badezimmer und der Weg zur Toilette. Nachtlichter oder Bewegungsmelder können sinnvoll sein, wenn die pflegebedürftige Person nachts aufsteht. Lichtschalter sollten gut erreichbar sein. Auch Blendung oder starke Schatten können irritieren und sollten möglichst vermieden werden.

Bad

Das Badezimmer ist einer der wichtigsten Bereiche für die Sicherheit zuhause. Nasse Böden, enge Bewegungsflächen und das Ein- und Aussteigen aus Dusche oder Badewanne erhöhen das Sturzrisiko. Hilfreich können rutschfeste Matten, Haltegriffe, ein Duschhocker, ein erhöhter Toilettensitz oder eine ebenerdige Dusche sein. Wichtig ist, dass Hilfsmittel stabil montiert und wirklich für die Person geeignet sind.

Treppen

Treppen sollten gut beleuchtet, frei von Gegenständen und mit sicheren Handläufen ausgestattet sein. Wenn möglich, sollten auf beiden Seiten Handläufe vorhanden sein. Auch rutschfeste Stufenmarkierungen können helfen. Wenn Treppen zunehmend schwerfallen, sollte frühzeitig geprüft werden, ob zusätzliche Hilfen nötig sind, zum Beispiel ein Treppenlift, eine Umorganisation der Wohnräume oder Unterstützung durch andere Personen.

Hausnotruf

Ein Hausnotruf kann Sicherheit geben, besonders wenn die pflegebedürftige Person zeitweise allein ist oder ein erhöhtes Sturzrisiko besteht. Über einen Notrufknopf kann Hilfe angefordert werden, auch wenn das Telefon nicht erreichbar ist. Wichtig ist, dass der Auslöser wie vereinbart getragen wird und die Person weiß, wie er benutzt wird.

Nach einem Sturz, einem Krankenhausaufenthalt oder einer deutlichen Veränderung von Kraft, Gleichgewicht, Sehen oder Orientierung sollte die bisherige Sicherheitsstruktur neu geprüft werden. Eine frühere Lösung kann unzureichend geworden sein; umgekehrt sollte Unterstützung nicht stärker einschränken, als es die aktuelle Situation erfordert.

Sicherheit zuhause bedeutet nicht, jedes Risiko auszuschließen. Sie verbindet eine passende Umgebung mit möglichst viel erhaltener Selbstständigkeit.